Along with all these mental rotations

Robert Gfader, Katrin Plavcak, Riccardo Previdi, Kirstin Rogge, Jaro Straub



Ein Ausstellungsprojekt von Kirstin Rogge


Ausstellungsdauer: 11. - 27. Juni 2008




Die von Kirstin Rogge zusammengestellte Ausstellung Along with all these mental rotations vereint Arbeiten von KünstlerInnen, die sich auf vielfältiger Weise mit der Architektur der Moderne und architektonischen Strukturen im Allgemeinen auseinandersetzen.


Ausgehend von der These Frank Lloyd Wrights, dass der Kreis die Universalität und die Spirale den organischen Prozess darstellen, entwickelte Kirstin Rogge einen symbolischen Raum bestehend aus einer filigranen papierenen Kuppelkonstruktion und einer begehbaren Bodenspirale, der Lloyd Wrights und Hilla von Rebays Architektur des Guggenheim Museum in New York kommentiert. In dieses „Museum“ hat Rogge vier KünstlerInnen mit ähnlichen Interessen - Robert Gfader, Katrin Plavcak, Riccardo Previdi und Jaro Straub – eingeladen, Arbeiten zum Thema beizusteuern. Entstanden sind Werke, die in den Medien Zeichnung, Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation das "mentale Ringen" um das gegebene Themenfeld mit all seinen Ausschweifungen reflektieren.


Architektur, Konstruktion und Energie - auch unter diesen Begriffen könnte  Along with all these mental rotations beschrieben werden. Die unter diesem suggestiven Ausstellungstitel vorgestellten Arbeiten scheinen großteils in Bewegung befindlich oder Ergebnis von räumlichen Kontraktionen oder Translokationen zu sein:



Jaro Straub's Skulpturenduo RATIO 1/5 gibt zweifach das gleiche Objekt im genannten Maßstabverhältnis wieder: Das kleine Fundstück aus einer Flohmarktkiste, eine kleine, turmartige Konstruktion aus Holz, steht einer 2m großen, vom Künstler hergestellten Nachbildung gegenüber. Die Skulptur repräsentiert die Kugelbarke von Cuxhaven aus dem Jahr 1924, sie könnte aber für jemand, der diesen Hintergrund nicht kennt, auf Grund ihrer Ästhetik auch als einen „wiederentdeckten“ Entwurf Tatlins betrachtet werden. Herkunfts-, Raum- und Maßstabverhältnisse erzeugen hier einen komplexen Diskurs über modernistische Ästhetik.

Eine weitere Installation von Jaro Straub, ..,-, verbindet modellhaft zwei Gegenstände des öffentlichen Raums, deren geografischer Ursprung einige tausend Kilometer voneinander entfernt liegt: eine offensichtlich beschädigte, geschwärzte Mülltonne aus Beverly Hills und eine Parkbank aus Innsbruck. Die Translokation und der diskrete Unterschied im Zustand und Maßstab der Objekte erzeugt eine subtile Spannung zueinander, die mit der anderen Skulptur korrespondiert.


Riccardo Previdi baut in seinen zwei hier präsentierten Arbeiten ebenfalls eine Vielfalt an Verweisen ein. Le orrecchie di Adolf Loos reproduziert in einem zweiteiligen vergrößerten Rasterprint eines Schwarzweiß-Fotos von Adolf Loos nur die Partien, auf denen Loos' Ohren zu sehen sind. Der Titel bezieht sich auf die Arbeit Le orrecchie di Jasper Johns aus dem Jahr 1966 von Michelangelo Pistoletto. Adolf Loos, Hauptvertreter des modernistischen Architekturpurismus, wird im Sinne seiner Ideologie mit einem Augenzwinker auf seine Ohren reduziert. Die andere Arbeit, Spectrum, verwendet als Hauptmotiv die Mole Antonelliana in Turin, das ehemals höchste Gebäude der Welt. Das Gebäude wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in traditioneller Bauweise fertiggestellt. Die riesige Kuppel gilt nach wie vor als das Größte, was man in dieser Weise bauen kann. Aus dem in der Comic-Ästhetik der sechziger Jahre gezeichneten Gebäude mit gekipptem Dach strahlt in den Himmel das Spektrallicht als Energiebündel – wohl ein Versuch der Überwindung dieser monumentaler Architektur durch Überzeichnung.


Dynamisch und energiegeladen erweisen sich auch die p-objects von Robert Gfader, die als Fortsetzung seiner seriellen Arbeit flying houses, entstanden sind. In einer ausdrucksbetonten, spontanen Linienführung wurde in situ eine Wandarbeit realisiert - quasi die vergrößerte Übertragung einer Handzeichnung auf Papier. Schwebende Falthäuser, hier als Urform des traditionellen Hauses - ein Dreieck auf einem Rechteck - dargestellt, und Energiestrahlen vergegenwärtigen die persistente Auseinandersetzung des Künstlers mit den Möglichkeiten minimalistischer und zugleich expressiver Darstellung von Raum.


Katrin Plavcak's Malerei bildet hingegen einen formalen Ruhepol in der Ausstellung. Die Künstlerin selbst schreibt zu ihren drei Bildern: „Tetris - a grand day out handelt an einem Frühlingstag - die Wolken beleben sich und formen sich aus Langeweile. Die darunterliegende Landschaft empört sich darüber. Der Kreis ein Viereck werde hat nichts mit Unterhaltungsmathematik zu tun. Mehr jedoch mit einer Luftsäule, die schwarzen Flecken Auftrieb gibt. Und zumindest 63% des einen Bildes wurden substrahiert um schwebende Nachtteile - die Vergeßlichkeit entstehen zu lassen.“  Da hat sich also doch ein berechnetes Bild eingeschlichen...


Andrei Siclodi

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